Moana Mika

Wissenschaftsjournalistin

Ein Hoch auf’s Poschi

Und auf den Service Public!

Kürzlich kündigte der SVP-Bundesrat Albert Rösti an, bei der Postzustellung sparen zu wollen: Rund 60’000 abgelegene Häuser sollen nicht mehr beliefert werden – die langen Wege rentierten sich nicht, so die Begründung. Es liegt in der Natur der Sache, dass von den Sparmassnahmen wohl insbesondere Bergregionen betroffen wären. Als Ersatz werde die Post aber ein Online-System einrichten, bei dem die Briefe per E-Mail zugestellt werden, sagte Rösti weiter. Nur: Wie das, wenn auch das Internet nicht funktioniert?

Nun, geniessen wir also den Service Public, den wir noch haben. Seit ich in den Bergen lebe, weiss ich den nämlich ungemein zu schätzen. Einer davon hat es mir besonders angetan: Der Postautobetrieb.

Es gibt kein noch so abgelegenes Seitental, wo das unverkennbare gelbe Poschi nicht hinfährt, kein noch so spärlich bewohntes Bergdorf, wo es nicht mindestens eine Haltestelle gibt. Ist die Strasse auf den Berg zu eng für den Bus, kommt übrigens ein kleinerer Shuttle zum Einsatz. Das Mini-Poschi ist besonders putzig, vor allem wenn es auch noch den Fahrradträger am Heck mitführt. Sollten jemals alle Haken mit Bikes besetzt sein, so kippte es wohl hinten um.

Item, nun aber zurück zum Thema: Egal ob’s stürmt, ein Hang wieder mal ins Rutschen kommt oder ein Velorennen die Passstrasse in Beschlag nimmt: das Poschi fährt. Zuverlässig wie ein alter, treuer Freund.

Dazu kommt: Um einen Sitzplatz kämpfen, muss man hier nie. Im Gegenteil, man hat die Wahl, das Poschi ist oft nur spärlich ausgelastet. Die Busfahrer:innen grüssen beim Ein- und Aussteigen, man kennt sich, wünscht sich einen schönen Tag.

Kürzlich hievte ein Chaffeur mein Velo kurzerhand selbst in den Bus – er bestand darauf – weil sein Gefährt ausnahmsweise ohne Träger verkehrte.

Oder damals, als eine Schulklasse mitreiste und sich eine Schülerin, bleich wie ein Scheibe Toast, auf dem kurvigen Abschnitt direkt neben die Fahrerkabine übergab. Die Busfahrerin musste die zur Person gewordene Gelassenheit gewesen sein: Sie manövrierte um die Kurven, wich entgegenkommenden Autos aus, verteilte Papiertücher und stoppte bei der nächsten Gelegenheit, damit die zittrige Schülerin frische Luft schnappen konnte.

Und erst vor wenigen Tagen wähnte ich mich auf einer geführten Busreise anstatt im öV – der Fahrer musste in seiner früheren Karriere Dozent gewesen sein: Durchs Mikrofon erklärte er den Mitreisenden eloquent, wie die Gesteinsformationen in der Umgebung zustande kamen, was die Römer hier so machten und wo der neuste Entwässerungsstollen gebaut wird. Ich war gefesselt von der Vorlesung, dass ich gar nicht erst aussteigen mochte.

Kurz um: Stress und Hektik gibt’s beim Postautobetrieb in dieser Gegend nicht. Und spätestens jetzt sollten natürlich alle Alarmglocken läuten…

Denn rentieren wird das kaum, im Gegenteil: Es ist wohl davon auszugehen, dass auch hier „unverhältnismässig hohe Aufwände“ gemacht werden, um in den Worten von Postminister Rösti zu bleiben.

Nun, ich bin gottenfroh fährt nach Kandersteg ein Zug und nicht das Poschi. Der Postautobetrieb scheint dem Bundesrat schlicht entgangen zu sein. Das Gebot der Stunde heisst also: Nur ja keine Aufmerksamkeit erregen! Einfach unter dem Radar weiterfliegen und so tun, als hätte man noch nie was von Sparhammer gehört.

Ein anderer Hammer traf hingegen mich vor Kurzem: Und zwar war ich etwas gar knapp dran, spurtete zur Poschi-Haltestelle, nur, um den Bus gerade noch um die nächste Ecke verschwinden zu sehen. Ich schaute wohl etwas verdattert drein, auf jeden Fall verlangsamte das nächste Fahrzeug – ein kleiner Entsorgungslastwagen der Gemeinde – und der Fahrer steckte fragend den Kopf aus dem Fenster. Kurzerhand versah ich mich auf dem Beifahrersitz und 20 Minuten später an meinem Ziel.

Die Erkenntnis daraus? Auf den Service Public ist halt einfach Verlass.