Wie ich durch ein Interview mit einer Ärztin zum Bundesamt für Kommunikation und einem feinen Capuccino gekommen bin, lest ihr hier.
No internet, no problem – schön wär’s. Aber bekanntlich leben wir nicht mehr in Zeiten von Brieftauben und Postkutschen. Und wer im Home Office arbeitet, weiss erst recht, dass ohne das allmächtige Netz bald einmal gar nichts mehr läuft. Da löst sich die Grenze zwischen produktivem Office und kümmerlichem Rumlümmeln im Homedress gleich mit dem schwindenden Internetempfang auf. Recherche, Rechnungsstellung, E-Mails, Datenverarbeitung, Softwares – wer eine offline Variante kennt, meldet sich bitte in der Kommentarspalte.
Nun, natürlich übertreibe ich. In dem Dorf, wo ich lebe, gibt es Internet. Bloss: Es ist seeehr langsam.
Kurz nachdem ich mich im Bergdorf häuslich eingerichtet habe, hatte ich ein Interview mit einer Professorin aus Zürich eingeplant. Ich freute mich – sie ist in ihrem Fachgebiet eine Expertin, hat viel publiziert, äussert sich regelmässig in den Medien und scheint zu allem auch noch sehr charismatisch zu sein. Für das Interview schlug ich ihr einen halbstündigen Video-Call vor.
Am besagten Tag bereitete ich mich gewissenhaft vor; ging nochmals alle Fragen durch, informierte mich über dieses und jenes, machte mir Notizen. Ich wählte mich frühzeitig in den Call ein – alles schien zu klappen. Bis sich die Professorin dazuschaltete: Ihr Bild erschien auf meinem Laptop – helle Blouse, blondweisse Locken, dezenter Lippenstift, wacher Blick. Sie schien etwas zu sagen, doch ich hörte – nichts. Und kurz darauf war auch noch ihr Bild eingefroren. Ich hingegen spürte die Hitze in mir hochsteigen. Zögerlich fragte ich in den Laptop: „Können Sie mich hören?“, obwohl ich bereits wusste, dass ich keine Antwort erwarten durfte. Die Verbindung war tot.
Das Bundesamt für Kommunikation BAKOM betreibt auf seiner Website einen sogenannten Breitbandatlas. Der Atlas ist eine interaktive Karte der Schweiz, die die Abdeckung des Mobilfunknetzes aufzeigt. Man kann also bis ins Bergdorf, in dem ich lebe, in die Karte reinzoomen und erhält eine Idee, wie es so um’s Internet steht. Fakt ist: Hier gibt es zwei verschiedene Telekom-Anbieter – immerhin – aber: Kein 5G, kein Glasfaser-Anschluss und eine Download-Geschwindigkeit von 30 bis maximal 100 Megabits pro Sekunde. Das sagte mir natürlich erstmal gar nichts, aber auch hier weiss das BAKOM weiter. Auf der Website steht:
Für einfache Aufgaben wie Surfen, E-Mails und gelegentliches Streaming sind 16 bis 50 Mbit/s ausreichend. Bei intensiverer Nutzung, wie z.B. Video-Streaming in hoher Qualität, Online-Gaming oder Homeoffice mit Videokonferenzen, sind 50 bis 100 Mbit/s oder mehr empfehlenswert.
Behörden und Telekom-Anbieter scheinen also davon auszugehen, dass im Bergdorf lediglich „einfache Aufgaben“ gemacht werden. Wozu sollte der Bauer, die Volg-Verkäuferin oder die Rentnerin auch schnelles Internet benötigen? Sie können sich ja an der Aussicht auf die Bergwelt satt sehen, anstatt die neuste Netflix-Serie zu streamen.
Alles andere als einfach erschien mir hingegen die Aufgabe, aus dem stockenden Call mit der Professorin doch noch ein fliessendes Interview hinzukriegen. Die Lösung war schliesslich, meine Kamera auszuschalten. Die Professorin übrigens, die nahm es mit der Ruhe und Gelassenheit einer erfahrenen Ärztin – es hing ja schliesslich kein Patientenleben davon ab.
Mein Learning daraus? Seither plane ich meine Arbeitstage mit Interviews jeweils in einem gemütlichen Café in der nächsten Kleinstadt ein. Dort funktioniert der Webcall auch mit Bild und obendrein gibt’s Capuccino mit viel Milchschaum und Brioches aus Zopfteig. Yep, man muss sich nur zu helfen wissen.